Montag, 19. März 2012

Wenn dir also Gutes widerfährt …

… dann solltest du es wenigstens merken Zwinkerndes Smiley 

Ich gehöre ja nun bekennender maßen, der sich permanent schämenden Subkultur der heimlich-anonymen-*R*a*u*c*h*e*r* (man getraut sich kaum noch dieses Wort auszuschreiben) an.

Ich meine das mit der Peinlichkeit durchaus ernst, denn wenn ich Suchtmittel-Nachschub brauche, komme ich mir vor wie in der Sesamstraße, wenn der Agent heimlich, sich ängstlich umschauend, mit dem gleich-werde-ich-erwischt-Gesichtsausdruck, offeriert: “Wollen Sie ein “E” kaufen?”, um dann schnell den Mantel wieder zuzuklappen – hat ja schon fast exhibitionistische Züge.

So habe ich  mir also angewöhnt, direkt im großen Stil meinen Eigenbedarf zu organisieren und finde da “die Tankstelle” immer noch als angenehmsten Ort der Beschaffung. 

Da gucken sich alle misstrauisch an: 

der junge Mann, der den größten der verschrumpelten Blumensträuße vehement nicht begutachtend – im schwungvollen Vorbeigehen – aus dem blauen Plastikeimer fischt 

oder 

die – durch ihre Kleidung – gehobenen Lebensstandard  dokumentierende Mitfünfzigerin, die verschämt zwei Rollen Klopapier im Arm hält, so als ginge es darum den neugeborenen Thronfolger eines öffentlichkeitsinteressierten Monarchenhaushaltes vor den listigen Objektiven der Paparazzi zu schützen, 

oder 

der ältere Herr, der die Güte der ausgestellten Spirituosen begutachtet, als solle er die Echtheit der blauen Mauritius feststellen, um dann mit einer Flasche Billigschaumwein triumphierend an die Kasse zu stürmen, sich bereits die rechten Worte bereitlegend, der Gattin zu versichern, dass er selbstverständlich nicht den Kennenlerntag vergessen hat 

und viele andere…

So murmele ich denn dann meinen Wunsch, schnell, deutlich und dezent an die  Kassiererin und halte ihr direkt demonstrativ die kleine Plastikkarte vor die Nase. Sie kennt meine Scham und fragt nicht nach weiteren Wünschen und auch nicht – was ja auch völlig abwegig wäre – ob ich auch getankt hätte.

Früher fragte sie mich immer, ob ich ein Feuerzeug wünsche, um dann nach positiver Antwort meinerseits den aktuellen Farbwunsch zu ermitteln und ich scheine häufiger – ohne weiter nachzudenken, denn ich will ja schnell und dezent sein: “blau” geantwortet zu haben.

Als ich dann heute einen respektablen Anteil meiner aktuellen Handtaschenkollektion entleerte, ergab sich also folgendes Bild und ich kann mich wirklich nicht erinnern, wann sie mich das letzte Mal nach der Farbe gefragt hat – es ist bestimmt schon über ein Jahr her:



gutegaben
(sie sind wirklich blau – Abenddämmerung eben)


Ich habe mir sehr fest vorgenommen der Dame das nächste Mal etwas Nettes zu sagen und mich zu bedanken – es ist zwar nur eine kleine Geste und dennoch sagt sie so viel aus: sie kennt mich, meine Vorliebe und dies dokumentiert sie ganz selbstverständlich – mich beeindruckt so etwas!

Herzlichst Ihre
 

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