Donnerstag, 14. Januar 2010

Nächster Stichtag 14.01.2010...


Wie viele Muskeln und oder Sehnen und Knochen gibt es eigentlich so in einem Bein, die krankengymnastisch reanimiert werden müssen?

Nachdem ja dann der freundliche Orthopäde am 04. Januar entschieden hatte, dass ich von den bisher 30 Kg innerhalb der nächsten drei Wochen bis zu 50 Kg belasten darf, stand ich irgendwie vor einem riesigen Berg, von dem ich nicht so genau wusste, wie ich ihn bezwingen sollte.

Omas alte Waage wohnt ja nunmehr beständig – so richtig wie ein Möbelstück – im Wohnzimmer und ich begann zu üben, die Belastung zu erhöhen.

So bis 35 Kg war ziemlich unspektakulär und geschah wie von selbst…

Zwei Tage später – es war Samstag, der 09.01. schaffte ich sage und schreibe 41,8 Kg und war echt happy. „Heureka, es geht aufwärts!“

Sonntag nahm ich mir denn vor, mindestens die 42 zu sehen… ich übte, stellte mich anders und trainierte, aber es war nichts zu machen, bei 38 Kg war Schluss…

Ich konnte das gar nicht verstehen, es war nicht so, dass ich Schmerzen gehabt hätte, es ging einfach nicht – vom Gefühl her trat ich wie ein Nilpferd auf der Waage herum, aber selbst die 40 Kg blieben in unerreichbarer Ferne… ich war frustriert und verstand gar nichts mehr.

Dafür gab es ein anderes Highlight: Ich sah zum ersten Mal meinen linken Knöchel – ich konnte ihn ganz deutlich erkennen und während ich noch dachte, ich jubele einer Fata Morgana entgegen, bestätigte der „bEva“, dass auch er ganz deutlich diesen Knöchel erkennen könne… ich heulte vor Freude…

Montag schmiss ich dann wieder meine zarten Gliedmaßen auf die Waage …

Es ist ja komisch: Das Kopfkino spielt eine größere Rolle, als man denkt. Wenn ich beginne, fange ich immer ganz vorsichtig an, anfangs war ich dann bei 5 Kg, wo man sich denn dann schon überlegt, ob das Gewicht vom Bein kommt, oder ob sich eine Staubflocke auf der Waage niedergelassen hat…

Mittlerweile fange ich bei 15 Kg an – einfach so – ohne zu überlegen und dann wird sukzessive gesteigert… bis 30 Kg kämpfe ich mit jedem Kilo, zwischen 30 und 38 habe ich gar keine Abstufung, danach artet es wieder in Hochleistungssport aus: ich will die Zahl vom letzten Mal toppen…

Ich habe gelernt, dass ich immer einen Tag dazwischen brauche, sonst schaffe ich gar keine Steigerung.

O.k., dann ist das eben so: Ich tue nur noch das, was mir und meinem Körper gut tut!!!

Fest beschlossen und wie ein Mantra vor mich hinbetend!

Die Krankengymnastik wird jetzt ein wenig fies und eklig! Anfangs dachte ich noch, sie zertrümmert mir jetzt auch noch die Knochen, die bis jetzt noch heil sind und versuchte „Druck ausgleichend“ dagegen zu halten, bis ich quiekend aufgab …

Und ja, es tut weh und man hat auch noch Stunden später etwas davon…

Heute Morgen wurden dann wieder Sehnen und verklebte Hautschichten bewegt – vom Gefühl her kam ich mir vor wie bei der Plattentektonik; nur mit dem kleinen Unterschied, dass meine Muskeln und Sehnen keine Lithosphärenplatten sind, deren Bewegung beispielsweise zu einem Faltengebirge führt… obwohl, etwas weiter oben, klingt Plattentektonik bedeutend besser als Orangenhaut…

Nun denn! Ich kann auch etwas Neues: ich kann – das Gewicht gleichmäßig auf beide Füße verteilt – stehen…

Sollte dies hier jemand lesen, dem die Rekonvaleszenzetappen nicht am eigenen Leib vorgestellt wurden, so mag er denken: na und, was ist daran besonders …

Ich sage es Ihnen: nach 4 Monaten widernatürlicher, einseitiger Belastung, spielt der Gleichgewichtssinn nach eigenen Regeln und der Versuch, beim Stehen, die Krücken anzuheben gleicht dem Wandeln in einem „schiefen Haus“, so wie man es vom Rummel kennt…

Aber nicht verzagen, es wird besser: langsam und von Mal zu Mal und als kleiner
Nebeneffekt beginnt der Körper, die intuitive Schonhaltung immer weiter abzubauen…

Sie sehen: es bleibt spannend …

Sollte Sie mich suchen, ich bin auf der Waage …

Mit „aufrechten“ Grüßen

Das Bein


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