Sonntag, 14. Juni 2009

Es gibt so Tage im Leben, die vergisst man nicht. Ich hatte mir zwar fest vorgenommen, das Datum so schnell wie möglich aus meinem Gehirn zu streichen – doch es war ein Mittwoch.

Einfach so aus Spaß, hatte ich das Bedürfnis, noch einmal mein beige farbenes Kostüm anzuziehen, welches ich erst zweimal anhatte – und welches schon längere Zeit danach lechzte, noch einmal ausgeführt zu werden. Frisch geduscht, duftend gecremt, fast perfektes Make up, die Lockenmähne endlich einmal halbwegs ordentlich – wollte ich mich in den kurzen Rock schwingen. Schwingen ging schon mal gar nicht, zwängen schon eher – doch der Reißverschluss dachte nicht im entferntesten daran, sich schließen zu lassen. Der hatte doch vor einem halben Jahr noch gepasst...

Ich war geschockt und versuchte mir einzureden, dass er ja schon immer ein wenig eng war und dass die Tage bevorstehen, in der sich jede Frau unförmig fühlt.

Um mein Ego doch noch ein wenig zu streicheln und meinen hart erkämpften freien Tag nicht ganz nutzlos verstreichen zu lassen, fuhr ich in die Stadt, um mir wenigstens ein neues schickes Teil zuzulegen, sollte doch der dämliche Rock bleiben, wo er war.

Wie es oft so ist, fand ich rein gar nichts, was meinen Vorstellungen auf Anhieb entsprach. Ebenfalls, lähmte es, mich bei diesem schwülen Wetter schweißtreibenden Umziehaktionen hinzugeben.

Um nicht ganz vergeblich hier zu sein, ging ich also noch zu C & A, um die dritte, der von mir heiß und innig geliebten dunkelblauen Stretchhose zu erwerben, die ich jedes Jahr ersetzte. Auf der Rolltreppe durchfuhr mir kurz der Gedanke, was wohl geschehen würde, wenn C&A dieses Produkt einmal aus dem Programm nehmen würde – doch währenddessen war ich schon in der Hosenabteilung angekommen und erblickte, das ersehnte Stück in der richtigen Größe: 42.

Moment bei 1,78 m heißt 42 nicht zwangsläufig Fettsucht. Zugegebenermaßen war diese Größe nur nötig um meine zwei gut sichtbaren Rettungsringe einzuhüllen. Ich spreche von den Zonen, die ältere Damen gerne als hohen Magen bezeichnen. Als ich noch Kleidergröße 36 trug (vor 10 Jahren also) lachte ich über diese medizinisch unabänderlich klingende Bezeichnung, doch heute weiß ich, dass hoher Magen bedeutend besser klingt, als Rettungsring.

Warum ich auf die Idee kann, die Hose anzuprobieren, weiß ich nicht, irgendein weiblicher Instinkt trieb mich dazu, und dann kam er der SCHOCK...

42 passte nicht mehr – ich bräuchte 44! Nein, das ging wirklich nicht so weiter und so beschloss ich, gar nichts zu kaufen und nach Hause zu fahren. Hatte ich nicht unlängst einen Artikel gelesen, in dem genau beschrieben stand, warum die Bekleidungsindustrie langsam Ihre Konfektionsnormen überdenken sollte. Ich war aber nicht unkritisch genug, zu erkennen, dass 42 nicht mehr passte und das lag leider eindeutig an mir...

Es gibt Tage, da klappt rein gar nichts, angefangen damit, dass im Parkhaus seit einer Minute die nächste Stunde angefangen hatte bis zu dem Übel, dass der Aufzug defekt war, was bedeutete, den fünften Stock zu erklimmen. Im dritten schmerzten meine Waden, im vierten jappste ich nach Luft, wie ein überfetteter Dackel nach einem Rendevouz im Dachsbau. Im fünften dankte ich still dem Erbauer, dass er keinen sechsten Stock erschaffen hatte. Der Schweiß lief mir aus allen Poren, was bedeutete, dass mein Make up fleckig war und meine Locken, wieder ihrer Natur nachgebend, sich in alle Richtungen kräuselten und meine Lendenwirbel leise tropfend benetzten.

„Du brauchst mehr Bewegung“, sagte mein Mann und schielte auf die Gegend, wo er meine Taille vermutete, als ich nach Hause kam und den Parkplatzwettstreit nach 29 Minuten entnervt aufgegeben hatte.

Wie schaffen es nur die anderen Rank und schlank auszusehen. Wunderpille? Jeder, der es einmal geschafft hat, grinst einem in den Talkshows immer hämisch entgegen und erklärt stolz lächelnd diesen Erfolg nur durch eine Ernährungsumstellung sowie viel Sport erreicht zu haben.

O. K. – ich wollte etwas ändern – aber wie? Einem kurzem Anflug, etwas für mich tun zu wollen, war ich vor einiger Zeit erlegen und hatte ein Buch eines namhaften Fitness Papstes erworben. Wie locker und leicht, die auf dem Cover grinsten – die Anfänger und Unsportler, die mit diesem Buch angefangen hatten, ihr glückliches Leben zu beginnen, indem sie regelmäßig joggten. Ultralight – erinnerte mich eher an eine Zigarettensorte, denn an ein Trainingsprogramm – doch es hatten ja auch schon viele ältere geschafft.

Es war sehr motivierend beschrieben und so beschlossen mein Mann und ich, das joggen auszuprobieren. Von Größenwahn getrieben startete ich am nächsten Morgen zur donnerstaglichen Survivalübung eines Lebensmitteldiscounters, der all die schönen Sachen hat, denn wie es der Zufall so wollte, gab es diese Woche doch tatsächlich alle Utensilien, die man benötigt, wenn man läuft. Schuhe, Hose und Jacke, dazu Sportsocken, ließen mich sehr sportlich erscheinen, doch mein Schweinehund knurrte furchteinflößend, so dass ich beschloss, mit meinem Training erst im bevorstehenden Urlaub zu beginnen, auch mein Mann wollte mitmachen.

Wir fuhren also in den Urlaub und im Geiste dachte ich schon, wie schön und schlank ich erst auf der Rückfahrt sein würde. [... Fortsetzung folgt]