Sonntag, 14. Juni 2009

[... Fortsetzung ist gefolgt]

Am nächsten Morgen – Punkt 7: 53 konnte ich es kaum erwarten, in mein neues, schlankes Leben zu starten. Getreu der dem Buch beiliegenden CD – dehnte ich erst einmal 15 Minuten alle relevanten Muskeln. Himmel zog das. Lächerlich dieses Gesäusel – „überdehnen Sie nicht – stretchen Sie ganz locker, merken Sie schon, wie es Ihnen Ihre Muskeln danken“, säuselte die Stimme der CD – doch ich hielt tapfer durch, auch wenn ich meine Muskeln innerlich schalt, ein undankbarer Haufen zu sein.

Danach startete ich ganz langsam, indem ich erst einmal ging, wie es der freundliche Herr auf der CD suggerierte. Mein Mann, dem mein stretchen zu lange dauerte, war übrigens schon auf und davon. Also ging ich und zahlreiche Jogger überholten mich und ich kam mir überaus bescheuert vor, in meinem Dress, gemächlich spazieren zu gehen. Vielleicht sollte ich ein leichtes Hinken andeuten, so dass die anderen dachten, ich sei rekonvaleszent und mich bewunderten...

Die zahlreichen Mitläufer ignorierten mich allesamt, was mich veranlasste anzunehmen, dass ja sie irgendwann einmal haben anfangen müssen. Irgendwann gab der CD-Mann dann das Signal langsam loszutraben und an traben erinnerte mich auch meine Bewegungsart, ich kam mir vor, wie ein Brauereipferd, kurz vorm Gnadenbrot. Nach bereits einer Minute erinnerten mich meine Oberschenkel daran, dass Sie mit meinem Neustart in ein Läuferleben nicht zugestimmt hätten und streikten beleidigt. Meine Unterschenkel gingen eine Union ein und schmerzten im Gleichklang mit.
„Na wartet – ihr Memmen – drohte mein Optimismus und ließ weiter traben. „Dass wollen wir doch mal sehen – wer hier das Sagen hat – nach einer Minute bereits aufgeben – wo gibt es denn so was?“ Ein Dackel schien Recht geben zu wollen, denn er kläffte mich ganz schön an, während sein Frauchen mit der Brötchentüte winkte und versicherte: „der tut nichts, der will nur spielen“. Nach zwei Minuten machte mein Verstand, meinem Optimismus, in dem er ein lautes Japsen verlauten ließ, klar, dass man die Signale des Körpers nicht überhören solle und während ich also wieder ging, erläuterte die hämische Stimme vom Band, dass nun schon fünf Minuten vergangen seien. Das waren die längsten fünf Minuten seit langem, doch ich ging und trabte und ging und trabte, während meine Pulsuhr mahnend im Takt piepste, um mir klarzumachen, dass ich nun in der Zone war, die nur Kohlehydrate zu verbrennen vermochte, jedoch kein Fett, wozu die ganze Schinderei ja nun dienen sollte. „Na bravo“, dachte ich und mein Optimismus seufzte beifallheischend, dass jeder einmal klein anfangen müsse.

Wieder zu Hause angekommen, schmerzten und fielen Stellen ins Koma, von denen ich noch einmal wusste, dass dort Stellen waren. Zu allem Überfluss, hatte ich noch Müsli verordnet und mein Mann trank sogar noch Milch, anstatt Kaffee und versicherte mir, wie gut ihm die Bewegung getan habe, wenn er auch bemerke, etwas getan zu haben.

Nach einer Stunde legte er sich auf sein Bett und schlief ein – ich leckte meine Wunden, doch sah ich mich schon bald in attraktiveren Formen, für die es sich meines Erachtens lohnte, sich zu schinden.

Am nächsten Morgen, also dass gleiche Spiel. Ich stretchte – bildete mir ein, es ginge schon besser und dank einer Flasche von Omas Franzbranntwein, hatte sich erstaunlicherweise auch kein Muskelkater eingestellt. Dieser säuselnde ältere Herr auf der CD, nervte mich ziemlich extrem und meine – diesmal mutig am Strand zelebrierten – Stretchübungen, ließen ein paar Arbeiter glatt Ihren Spaten vergessen.
Der tolle Ausblick, die sehr amüsierten Arbeiter und irgendetwas, was ich nicht zuordnen konnte, ließen mich dann doch, locker und leicht lostraben. Das einzige, was mich momentan aufbaute, waren müde und zerknitterte Gestalten, die mit Ihren Waschbärbäuchen, den Morgen auf den diversen Balkons begrüßten, während die dazugehörenden Damen bereits dienstbeflissen auf dem Weg zu frischen Brötchen und er Zeitung waren, die zwar kein Mensch liest, die aber dennoch eine Millionenauflage hat.

Ein kläffender – ich weiß nicht was – machte mir dann klar, dass ich geradewegs, seine Pipipromenade kreuzte, was ihm nicht gefiel, auch das hysterisch gekreischte: „der will nur spielen“, wirkte nicht wirklich beruhigend. Ich warf dieser Mischung aus Hund und Staubwedel einen vernichtenden Blick zu und trabte mutig daran vorbei. „Haben Sie schon bemerkt, dass Sie schon fünf Minuten locker getrabt sind?“, fragte der ältere Herr und ich konnte nicht glauben, dass fünf Minuten so lang sind. Wenn ich noch nicht geschminkt bin und in fünf Minuten abfahrbeireit zum Theater sein soll, sind fünf Minuten, wie fünf Sekunden.

Das hängt sicher mit Einstein, dem Gehirnjogger und dessen Theorie über die Realität zusammen, doch so sehr ich wollte, meine Gedanken wollten nicht fliegen, sie wollten lediglich in einem ständig wiederkehrenden Rhythmus meine Muskeln und Knochen abfragen, wem, gerade was schmerzt, zieht und ermüdet.

Es war ein ziemlich heftiger Dialog, der da von Statten ging und irgendwie überlegte ich mir, dass ich gerade neulich in einer Expertenrunde im Fernsehen gehört hatte, dass man am Anfang auf gar keinen Fall übertreiben solle.

Schließlich solle Sport ja Spaß machen und ich kann wirklich nicht verstehen, was denn nun daran Spaß machen soll -

ach und übrigens: die bescheuerten Laufklamotten habe ich der Caritas gespendet !!!