Samstag, 7. Februar 2009

Vor allem die beiden vermaledeiten Stufen vor dem Haus machen mir echt zu schaffen – sie sind uneben, rutschig und irgendwie im luftleeren Raum – was mein Kopfkino animiert, Salto mortale mit meinen Gedanken zu spielen. Ich erklimme diese Stufen nur, wenn der „bEva“ daneben steht – alleine stehe ich da mit zitternden Krücken und Schweißausbrüchen. Nicht, dass er mir großartig helfen müsste – nein er muss nur so für den Notfall dastehen …

Aber diesmal: ebenfalls Premiere: ich bin nicht mehr gehüpft, sondern so etwas ähnliches wie bekrückt gegangen …

Der freundliche Herr O. hat dann nur gefragt, wie es denn so ginge – ich sagte: „Gut“ … und er hat sich das Bein noch mal angeschaut – also noch mal die Turnschuhprozedur, ging aber schon besser ….

„O. K., dann sehen wir uns nächste Woche Montag zum Röntgen und dann sehen wir weiter. Ich hatte ihm auch noch gebeichtet, dass ich immer noch bei Anfang 40 KG herumkrebse und er sagte: „dann ist das eben so – versuchen Sie es weiter…“ und schwupps war ich wieder ´draußen …

Auf dem Heimweg ist mir den dann, vor lauter Euphorie, dass ich nun nimmer mehr die Treppen hüpfend erklimmen muss, ein kleines Malheur passiert: auf der oberen Stufe, das ist die – die an Geländerseite so schmal ist – bin ich weggerutscht und ordentlich auf das kranke Bein gelatscht – man, was hab´ ich mich erschrocken – aber es hat nicht richtig wehgetan …

Im Nachhinein muss ich auch sagen, dass es irgendwie ein wenig etwas freigemacht hat – ich hatte das Gefühl, ich konnte danach etwas besser auftreten.

Die Krankengymnastin meinte denn dann mit mir tolle Übungen machen zu müssen und stellte mich ohne Krücken ins Wohnzimmer und ich musste Übungen machen, die mir den Angstschweiß auf die Stirn trieben – irgendwie klappte gar nichts – auch weil ich Angst hatte und Sachen, die ich vorher schon konnte, kann ich in ihrer Gegenwart nicht mehr – das ärgert mich und meinen Ehrgeiz ganz gewaltig …

Außerdem meckert sie sowieso immer: ein motivierendes „gut“, oder „weiter so“ – bekomme ich nie zu hören und das finde ich sehr frustrierend…

Das war bei der netten Physiotherapeutin im Krankenhaus anders: sie war so nett und motivierend, dass sie mich zu Sachen angespornt hat, vor denen ich mächtig Angst hatte – aber dann dennoch geschafft habe …

Solche Sprüche wie: „Normal ist das aber nicht, dass du einen Rollstuhl bekommen hast und dass ich bei dir Hausbesuche mache,“ mag sein, dass das nicht normal ist, aber wenn ich keine Möglichkeit habe, alleine in ihre Praxis zu kommen, was man mir nach Anschauen der Röntgenbilder sofort geglaubt hat – dann ist es wohl der beste Weg, helfen auch weiter; aber die Bilder will sie sich ja auch nicht anschauen; das braucht sie nicht.

Ebenfalls ihr super toller Ratschlag: „du musst draußen laufen“ - „es sollte aber nicht glatt und verschneit und zu kalt sein“ – hilft mir bei der derzeitigen Witterung nicht wirklich weiter – ich sollte mir vielleicht mal überlegen, eine Turnhalle anzumieten …

Alles in allem eine etwas frustrierende Woche…

Der 01.02.2019 rückte näher und damit der Termin des nächsten Röntgen. Ab Samstag steigerte ich mich denn dann auch wieder in die Angst… Was, wenn es doch nicht gut verheilt und nicht zuwächst – erneute OP? – wie geht es dann weiter?...

Die Gedanken kreisten und ich konnte sie nicht abstellen – zudem auch noch das schlechte Gewissen, dass ich immer noch bei Anfang 40kg herumnilpferdete und kein Gramm dazu kam. Es war wie verhext … Ich weiß, dass hier ein schlechtes Gewissen sicherlich nicht unbedingt weiterhilft, aber es ist auch schwierig, sich selbst aus diesem Loch herauszuholen.

Es wurde geröntgt und der freundliche Orthopäde war denn dann doch zu einem freudigen Statement bereit: „da hat sich aber mächtig was getan“… konstatierte er und mir fielen tonnenweise Steine vom Herzen. Am Wadenbein ist zwar noch eine Lücke und an einer anderen Stelle auch, aber ansonsten hätten sich gute „Brücken“ gebaut und ich dankte dem „bEva“ im Stillen auf Knien, dass er mich gezwungen hatte, Kalzium Brausetabletten zu trinken und Vitaminetabletten zu nehmen: Ja, ja ich weiß, auf Vitamintabletten kann man bei ausgewogener Ernährung verzichten, allerdings setzt das voraus, dass man sich gut in der Küche bewegen kann und so gibt es bei uns momentan auch schon mal Fertiggerichte (bääääääääääääääääääääääääääääääääääääääääh – da mache ich sonst einen riesigen Bogen ´drum – aber im Moment konsumieren wir auch Conveniences, da es nun mal nicht anders geht.

Ob man denn nun überzeugt ist, dass das Kalzium und die Vitamine gewirkt haben, ist mir völlig egal – ich kann nur sagen: seit ich das Zeug nehme, baut sich der Callus auf, dass es eine wahre Freude ist …und schaden tut es auch nicht!!!

Durch Zufall fand ich dann das alte Theraband von „bEva“ und dachte, damit könnte ich doch auch toll üben: ich probierte es aus und fand schon, dass es mir etwas brachte.

Die Krankengymnastin war da anderer Meinung: „damit kannst du kein Gewicht aufbauen – allenfalls für den restlichen Körper kannst du was machen“ – „das nutzt nicht wirklich was“ und mein Stolz, etwas gutes und sinnvolles getan zu haben, wurde wieder einmal gebremst und ich kam mir mal wieder vor, wie der letzte Trottel …

Der freundliche O. erklärte mir dann, ich sollte dann doch jetzt in dieser Woche versuchen, auf 50 Kg zu kommen, die nächste Woche auf 60 Kg und dann hätten wir ja bald die volle Belastung, die ich ruhig in der dritten Woche anpeilen sollte …

Wieder sah ich den riesigen Berg vor mir …

Krankgeschrieben wurde ich nunmehr bis zum 22.02.2010 und der nächste Termin beim freundlichen O. ist am 19.02.2010.

Leider habe ich diesen Termin erst gesehen als ich wieder zu Hause war und ich bekam Panik, wie ich es schaffen soll mit den Krücken a) meine Arbeit zu erreichen und b) meine Arbeit auszuüben …

Gewichtstechnisch bewegte sich wieder einmal gar nichts mehr. Baden ginge auch noch nicht, da das für die Durchblutung ganz schlecht wäre und ich hernach einen Fuß im Umfang eines dicken Kloßes hätte … aber wenn ich es mir zutraute, dürfe ich in der Badewanne duschen …

Ich sah mich schon die Wanne erklimmen und dann keine Chance zu haben, wieder herauszuklettern, was dazu führte, dass sich meine Phantasie ausmalte, ich verbrächte denn dann die nächste Zeit in der Wanne…

„Tja, und Krankengymnastik kann ich dann auch keine mehr verschreiben – Sie haben jetzt die 30 Einheiten voll – mehr geht nicht“ – sprachs´ und war weg …

Ich stand da mit offenem Mund und staunte und machte mir Sorgen –

„WIE SOLL ES WEITERGEHEN?“

„Am besten du gehst schwimmen“, riet mir die Krankengymnastin. Alleine der Gedanke, bekrückt durch das öffentliche Hallenbad zu schlittern, jagte mir einen derartigen Schauer über den Rücken, dass der Angstschweiß wieder Grund hatte, sich meiner zu entledigen…

Ich werde sicherlich nicht durch ein öffentliches Schwimmbad schlittern. Die Angst davor, auszurutschen, die habe ich ja schon, ohne Krücken: nein, ich werde es nicht machen – da könnt ihr euch auf den Kopf stellen und mit den Füßen wackeln.

Ich entscheide das jetzt für mich völlig autark – es ist mein Bein, meine Rekonvaleszenz und somit meine Entscheidung!

Dennoch blieb meine Angst, wie komme ich am 22.02.2010 zur Arbeit, wie bewege ich mich im Gebäude und wie kriege ich meine Ausdrucke und Akten von a nach b … ? Ich machte mir Sorgen und die blöde Waage besorgte mich auch – ich war so niedergeschlagen, dass ich kein neues Hoch verzeichnen konnte.

Ich entschied bei der Krankenkasse anzurufen. „Sind Sie irre?“, fragte mich die ausgesprochen nette und kompetente Mitarbeiterin der BEK. „Sie werden sicherlich nicht bekrückt wieder zur Arbeit schlittern“ – „Sie werden erst gehen lernen und dann gehen Sie wieder arbeiten, alles andere wäre viel zu gefährlich; stellen Sie sich vor, sie fallen noch einmal hin; dies wäre unverantwortlich!“

Die 30 Einheiten bestätigte sie mir und so fragte ich, ob ich denn dann den Arzt um ein Privatrezept bitten könne, ich zahle dann selbst und sie sagte, dies sei kein Problem und es würde auch in keiner Weise sein Budget belasten – wieder war ich beruhigter.

Es ist Sonntag, der 07.02.2010 und gestern Abend habe ich ganz allein Gulasch gekocht. Er war ausgesprochen lecker. Nur die Nudeln musste der „bEva“ kochen, da ich ihm versprechen musste, nicht mit einem Topf, voller kochendem, Wasser zu hantieren. Da ich ja beim Kochen oder wenn ich etwas transportieren muss, dies sitzend auf dem Schreibtischstuhl erledige, leuchtet mir dieses Verbot ein und ich halte mich daran. Da ich mittlerweile aber gut aufstehen kann, habe ich sogar alleine die Spülmaschine ausgeräumt …

Doch der Knaller kommt erst noch.

Heute Morgen habe ich in der Badewanne geduscht. Ich bin ganz alleine ´rein und auch allein wieder ´raus und fühlte mich großartig. Es ging besser als ich dachte und zu meinem Erstaunen ging ´raus besser als ´rein …

Ich fühle mich wie eine Königin – sämtliches wohl duftendes Duschzeug, inklusive Körperpeeling habe ich genommen …

So beschwingt und oben auf wollte ich denn dann den nächsten Waagentest machen und was soll ich sagen:

Ich habe es geschafft – ich habe das erste Mal die 50 gesehen – zwar nur kurz, aber ich habe sie geschafft und nun bin ich geschafft – ich bin glücklich, ermattet aber mit dem besonderen Gefühl im Bauch: Ich werde es schaffen! – vielleicht nicht so schnell, wie es die Krankengymnastin von mir erwartet – aber ich werde es schaffen …

By the way: meine Rekorde interessieren die Krankengymnastin leider nur peripher, da es ja schließlich darauf ankomme, dass ich beim Gehen, diese erreichten Kilogramms auch belaste und ich würde viel zu stark die Krücken nutzen, aber ich weiß nicht, wie ich das hinkriegen soll und nach meinem Empfinden belaste ich beim Gehen auch sukzessive mehr…

Sollte hier jemand eine Methode für sich gefunden haben, so freue ich mich über einen Kommentar oder eine Nachricht …

Nach diesem positiven Sonntag halte ich fest: ICH WERDE ES SCHAFFEN!!!

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